Ägypten: Muslimbrüder – Vorwürfe gegen Armee

KairoIm Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in Ägypten schaukelt sich der Streit zwischen den Muslimbrüder und den Vertretern der Armee hoch. Ein führender Vertreter der Muslimbrüder Chairat Al Schater warf der Armee vor, man habe ihn von der Teilnahme an der anstehenden Wahlrunde ausgeschlossen, weil die Armee nicht wirklich an einer demokratischen Machtübergabe interessiert sei und selbst die Macht behalten wolle. Das berichtet die Kuwait Times unter Berufung auf Reuters.

Offiziell war Al Schater, Spitzenkandidat der Muslimbrüder,  aufgrund seines Vorstrafenregisters vom Wahlkommittee nicht zugelassen worden. Seine Vorstrafen stammen aus der Zeit unter Ex-Präsident Hosni Mubarrak, in der die Muslimbrüder als Partei nicht zugelassen waren und nicht offen politisch aktiv sein durften.

Im neuen ägyptischen Parlament, das im Dezember gewählt wurde, dominieren die Muslimbrüder. Die amtierende Militärregierung hat erklärt, man wolle am ersten Juli, nach zwei Wahlrunden, die Macht im Land in zivile Hände geben. Ob dies wirklich zu einer Aufgabe der politischen Macht der Armeespitze führen wird, sehen Experten skeptisch. In Ägypten wird derzeit intensiv über die Verteilung der Macht diskutiert – dabei geht es auch um die Frage inwiefern die Armee in die Kandidatenzulassung im Vorfeld eingreift.

Schaters Aufbau als Kandidat begann erst vor drei Wochen, durch eine Umentscheidung der Muslimbrüder. Schater hat für Freitag zu einer Demonstration gegen seinen Ausschluss aufgerufen. Ersatzkandidat der Muslimbrüder ist Mohammed Mursi, der aber als weit weniger populär und politisch einflussreich gilt, als der Geschäftsmann Schater, der unter Mubarak mehrere Jahre in Haft verbrachte.



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