Jemen: Antiterrorklima gefährdet Pressefreiheit

Die Flagge des Jemen

Die Flagge des Jemen

Die derzeitige Anti-Terror-Stimmung im Jemen wirkt sich negativ auf die Arbeitsbedingungen der Journalisten des südarabischen Landes aus. Dies berichtet die jemenitische Zeitung „Yemen Times“. Laut der Menschenrechtsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ nutzt Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh die Situation,
um individuelle Rechte einzuschränken. Nach einem vereitelten Anschlag auf ein US-Flugzeug ist der Jemen in den Fokus der internationalen Terrorismusbekämpfung gerückt.

In der vergangenen Woche verhaftete die jemenitische Polizei den Herausgeber des Blattes Al Ayyam, Hischam Baschrahil,
nach Protesten vor dem Redaktionsgebäude. Seine Zeitung darf sein Mai vergangenen Jahres nicht mehr verbreitet
werden, weil sie ausführlich über regierungskritische Proteste im Süden berichtete. Sie gilt als eine der wichtigsten
Publikationen im Süden des Landes.

Seit Montag hatte es vor dem Gebäude Proteste und Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften gegeben.
Vize-Innenminister General Saleh Zuari gab an, Vertreter der mit Al Qaeda in Verbindung stehenden Separatisten
hätten sich Feuergefechte mit der Polizei geliefert. Das Redaktionsgebäude werde von Randalierern der Bewegung
als Hauptquartier genutzt.

Laut Baschrahil ging jegliche Gewalt von der Polizei aus, die Proteste vor dem Gebäude, welche die Wiedereröffnung
der Zeitung forderten seien friedlich verlaufen. Unklar sei, ob Baschrahil, der auch im Zusammenhang mit einem
Mord, der sich vor dem Gebäude ereignete, von der Staatsanwaltschaft verfolgt wird, sich  gestellt habe oder
verhaftet worden sei, so das Blatt. Laut Polizeiangaben wurde in seinem Haus, das sich auf dem Redaktionsgrundstück
befindet,  ein großes Waffenlager gefunden.

Neben Bashrahil richtet sich die staatliche Aufmerksamkeit auch auf andere Journalisten: Khalid Dschahafi,
der für eine Oppositionswebsite schreibt, gilt als verschwunden, seitdem er im Dezember beim Fotografieren von
Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten verhaftet worden war. Zudem befinden sich weitere
Journalisten in Haft, die über die Konflikte ihm Süden des Landes berichtet hatten. Auf dem Pressefreiheitsindex,
wo Staaten  von Reporter ohne Grenzen nach dem Grad der Freiheit ihrer Journalisten angeordnet werden ist der
Jemen indessen auf einem neuen Tiefpunkt angelangt: Rang 167 vob 175 bewerteten Staaten.



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